LIGHT OPTICS sind:
- Schlüsselwerke der Lichtkunst aus den 1980 / 90er Jahren von Wolfgang F. Lightmaster
- Unique
- Analog mit selbst entwickelter Lichtkunst-Technik geschaffen
LIGHT OPTICS are:
- Key works of light art from 1980 / 90s by Wolfgang F. Lightmaster
- Unique
- Analog created with self-developed light art technique
LIGHT OPTICS - Edition 1 "reflections from other dimensions" - Wolfgang F. Lightmaster
Mit der Werkgruppe Light Optics – Edition 1 eröffnet Wolfgang F. Lightmaster ein Kapitel der Lichtkunst, das sich konsequent der digitalen Ästhetik entzieht. Seine Bilder entstehen nicht am
Computer, sondern durch reale Lichtphänomene, die er mit selbst entwickelten optischen Apparaturen erzeugt und in einem einzigen, unwiederholbaren Moment fixiert. Jedes Werk ist ein Unikat, ein
eingefangener Lichtzustand, der sich nie wieder identisch herstellen ließe. Edition 1 trägt den Untertitel "Reflections from other
dimensions" – und tatsächlich wirken die Arbeiten wie Ausschnitte aus Räumen, die jenseits des Sichtbaren existieren. Sie sind weder Fotografie noch Malerei,
sondern eine eigene Gattung: analoge Lichtbilder, in denen Licht selbst zum Material wird. "Reflections from other
dimensions" bildet ein geschlossenes Ensemble, das die Möglichkeiten analoger Lichtkunst exemplarisch vorführt. Die Werke bewegen sich zwischen kosmischer Weite und mikroskopischer
Präzision, zwischen energetischer Explosion und meditativer Stille.
Lightmaster knüpft an Traditionen der Lichtkunst (Moholy-Nagy, Piene, Turrell) an, geht jedoch einen eigenen Weg: Er erzeugt keine Räume aus Licht, sondern Bilder aus Licht – reine optische
Ereignisse, die in ihrer Flüchtigkeit festgehalten wurden. Die Edition zeigt Licht als Ursprung, als Schwelle, als Energie, als Bewusstsein. Sie ist ein Zyklus über das Sichtbare und das
Unsichtbare – über Licht als metaphysisches Medium. Seine Haltung ist klar: Licht ist für ihn kein Effekt, sondern ein Material — ähnlich wie Farbe für Maler oder Stein für Bildhauer.
Lightmaster gehört klar in die Tradition der Lichtkunst, die seit dem frühen 20. Jahrhundert existiert.
Wichtige Bezugspunkte: László Moholy-Nagy (Licht-Raum-Modulator, 1930er) - Dan Flavin (Neon-Skulpturen) - James Turrell (Lichträume) - Otto Piene & ZERO-Gruppe (Licht und Bewegung)
Lightmaster unterscheidet sich jedoch durch: analoge Bildproduktion statt Rauminstallation - technische Eigenentwicklungen - eine fast alchemistische Herangehensweise
Seine Werke haben visuelle Nähe zu: Victor Vasarely - Bridget Riley - Heinz Mack
Aber: Während Op Art optische Täuschungen konstruiert, erzeugt Lightmaster reale Lichtphänomene.
Seine Technik erinnert an: Fotogramme (Man Ray, Moholy-Nagy) - chemische Experimente der frühen Avantgarde
Doch Lightmaster arbeitet nicht mit Dunkelkammerprozessen, sondern mit Lichtmaschinen, Spiegeln, Linsen und selbstgebauten Apparaturen.
Die Farbigkeit und Dynamik seiner Werke knüpfen an: Liquid-Light-Shows - frühe VJ-Kultur - visuelle Experimente der Club-Szene
Das passt zu seiner Herkunft aus der Show- und Veranstaltungstechnik.
Warum ist Lightmasters Werk besonders?
Weil er etwas macht, das heute fast niemand mehr macht: Er erzeugt Lichtbilder ohne Computer — rein optisch. In einer Zeit, in der digitale Effekte dominieren, wirken seine Werke wie Artefakte aus einer parallelen Kunstgeschichte. Er ist ein Grenzgänger zwischen Technik und Kunst. Sein Hintergrund als Lichttechniker macht ihn zu einem Künstler-Ingenieur — ähnlich wie Moholy-Nagy oder Piene. Er schafft Unikate in einem Medium, das sonst nicht reproduzierbar ist. Licht ist normalerweise flüchtig. Lightmaster fixiert es.
GESPRÄCH ZWISCHEN
WOLFGANG F. LIGHTMASTER UND EINEM PHYSIKER
„Licht ist ein Verhalten — kein Objekt.“
Physiker: Herr Lightmaster, ich habe Ihre Light-Optics-Werke studiert. Was mich fasziniert: Sie erzeugen Strukturen, die wir in der Physik als Interferenzmuster, Dispersionseffekte oder
Totalreflexion beschreiben würden. Aber Sie sprechen nie in diesen Begriffen. Warum?
Lightmaster: Weil ich nicht mit Begriffen arbeite, sondern mit Zuständen. Ich sehe das Licht nicht als physikalische Formel, sondern als Verhalten. Die Prozesse, die Sie beschreiben, sind korrekt
— aber sie sind nicht das, was mich antreibt. Ich beobachte, wie Licht reagiert, wenn ich bestimmte Bedingungen herstelle. Die Theorie kommt danach.
Physiker: Das ist interessant. In der Wissenschaft versuchen wir, Systeme zu kontrollieren, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten. Sie hingegen scheinen das Gegenteil zu tun.
Lightmaster: Ich kontrolliere die Bedingungen, nicht das Ergebnis. Das ist ein Unterschied. Ich stelle die Apparatur ein, ich definiere die Achsen, die Winkel, die Materialien. Aber das Licht
selbst verhält sich jedes Mal anders. Diese Nicht-Reproduzierbarkeit ist kein Fehler — sie ist der Kern meiner Arbeit.
Physiker: Das widerspricht unserem wissenschaftlichen Instinkt. Wir wollen Messbarkeit, Wiederholbarkeit, Stabilität.
Lightmaster: Und ich suche Sensitivität. Ich will sehen, wie Licht reagiert, wenn es an die Grenze seiner Stabilität kommt. Wenn ein halber Millimeter alles verändert. Wenn ein
Temperaturunterschied ein völlig neues Muster erzeugt. Das ist für mich der spannendste Bereich: der Moment, in dem das System kippt.
Physiker: Ihre Apparaturen sind optisch hochkomplex. Haben Sie sie nach physikalischen Modellen konstruiert?
Lightmaster: Nein. Ich habe sie nach Beobachtung konstruiert. Ich habe gesehen, wie sich Licht verhält, wenn es auf bestimmte Materialien trifft. Ich habe experimentiert, variiert, verworfen, neu
gebaut. Die Apparaturen sind gewachsen wie Organismen. Sie folgen keiner Formel — aber sie erzeugen Formeln.
Physiker: Das klingt fast wie eine empirische Forschung ohne Theorie.
Lightmaster: Genau. Ich arbeite wie ein Forscher, der nicht weiß, was er sucht, aber erkennt, wenn er es gefunden hat.
Physiker: In einigen Ihrer Werke sehe ich klare Interferenzmuster. In anderen dominieren Streuungseffekte. Ist das bewusst gesteuert?
Lightmaster: Ich steuere die Bedingungen, unter denen Interferenz oder Streuung möglich wird. Aber ich entscheide nicht, welche sich durchsetzt. Das Licht entscheidet. Ich beobachte nur.
Physiker: Sie sprechen vom Licht, als hätte es eine Art Eigenleben.
Lightmaster: Hat es auch. Nicht im mystischen Sinn, sondern im physikalischen. Licht ist nicht passiv. Es reagiert. Es interagiert. Es organisiert sich. Wenn Sie ein optisches System aufbauen,
entsteht ein Verhalten — kein Objekt.
Physiker: Das ist ein ungewöhnlicher Ansatz. In der Physik betrachten wir Licht als Welle oder Teilchen, je nach Experiment.
Lightmaster: Und ich betrachte es als Zustand. Ein Zustand, der sich verändert, sobald man ihn misst, sobald man ihn fixiert, sobald man ihn betrachtet. Das ist der Grund, warum meine Werke
Unikate sind. Ich fixiere einen Zustand, der nie wieder identisch auftreten wird.
Physiker: Das erinnert an Quantenmechanik: Der Messvorgang verändert das System.
Lightmaster: Genau. Ich arbeite nicht mit Quantenmechanik, aber ich arbeite in ihrem Geist. Ich akzeptiere, dass Beobachtung Teil des Ergebnisses ist.
Physiker: Was würden Sie sagen: Sind Ihre Werke Kunst oder experimentelle Physik?
Lightmaster: Beides. Und keines von beiden. Ich benutze physikalische Prozesse, aber ich verfolge kein wissenschaftliches Ziel. Ich erzeuge ästhetische Strukturen, aber ich konstruiere sie nicht.
Ich bewege mich zwischen den Disziplinen. Licht zwingt mich dazu.
Physiker: Und was lernen Sie vom Licht?
Lightmaster: Dass Ordnung und Chaos keine Gegensätze sind. Dass ein System stabil sein kann, obwohl es instabil wirkt. Und dass man manchmal mehr sieht, wenn man weniger kontrolliert.
Physiker: Das ist ein schöner Gedanke. Vielleicht sollten wir Physiker öfter so arbeiten.
Lightmaster: Und vielleicht sollten wir Künstler öfter so denken wie Physiker. Das Licht liegt irgendwo dazwischen.
GESPRÄCH ZWISCHEN
WOLFGANG F. LIGHTMASTER UND EINEM PHILOSOPHEN
„Licht ist nicht etwas, das wir sehen — es ist das, wodurch wir sehen.“
Philosoph: Herr Lightmaster, Ihre Werke faszinieren mich, weil sie etwas zeigen, das eigentlich nicht sichtbar ist: Licht selbst. In der Philosophie sagen wir oft: Licht ist Bedingung der
Sichtbarkeit, nicht Gegenstand der Sichtbarkeit. Wie gehen Sie damit um?
Lightmaster: Ich versuche, genau diese Grenze zu berühren. Ich zeige nicht das Licht als Objekt — das wäre unmöglich. Ich zeige die Spuren seines Verhaltens. Das, was entsteht, wenn Licht auf
Widerstand trifft. Meine Werke sind nicht das Licht selbst, sondern die Art, wie es sich organisiert.
Philosoph: Das klingt fast wie eine phänomenologische Position. Husserl würde sagen: Sie zeigen nicht das Ding, sondern die Erscheinung des Dings.
Lightmaster: Ja. Ich arbeite mit Erscheinungen. Mit Zuständen, die nur existieren, weil bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Wenn ich die Apparatur verändere, verschwindet die Erscheinung. Sie ist
kontingent. Und gerade das macht sie wertvoll.
Philosoph: In der Philosophie sprechen wir von „Ereignissen“, die nicht wiederholbar sind. Ihre Werke scheinen genau das zu sein: Ereignisse, die sich im Moment ihrer Entstehung erschöpfen.
Lightmaster: Genau. Ich fixiere ein Ereignis. Kein Objekt, keine Form, keine Idee. Ein Ereignis. Ein Zustand, der nur einmal existiert. Wenn ich versuche, ihn zu wiederholen, entsteht etwas
anderes. Das Licht ist nicht reproduzierbar.
Philosoph: Das widerspricht dem klassischen Kunstbegriff, der auf Dauer angelegt ist. Ihre Werke sind Momentaufnahmen eines Prozesses, der sich ständig verändert.
Lightmaster: Ja. Ich sehe meine Arbeit nicht als Herstellung eines dauerhaften Artefakts. Ich sehe sie als Dokumentation eines flüchtigen Zustands. Die Fotografie ist nur der Beweis, dass dieser
Zustand existiert hat.
Philosoph: Sie sprechen vom Licht, als hätte es eine eigene Intentionalität. Ist das metaphorisch gemeint?
Lightmaster: Nein. Nicht im psychologischen Sinn. Aber Licht hat ein Verhalten. Es reagiert auf Bedingungen. Es folgt Regeln, aber nicht meinen Regeln. Ich kann es nicht zwingen. Ich kann nur
Rahmen setzen. Das Licht entscheidet, wie es sich darin verhält.
Philosoph: Das erinnert an Heideggers Idee, dass der Künstler nicht „macht“, sondern „entbirgt“. Dass das Werk nicht geschaffen, sondern freigelegt wird.
Lightmaster: Das trifft es sehr gut. Ich entbirge nichts Materielles, sondern etwas Optisches. Ich mache sichtbar, was unter bestimmten Bedingungen ohnehin entstehen würde. Ich bin nicht der
Autor — ich bin der Ermöglicher.
Philosoph: Ihre Werke wirken oft wie Übergänge: weder abstrakt noch konkret, weder kosmisch noch mikroskopisch. Sie entziehen sich jeder eindeutigen Zuordnung.
Lightmaster: Das ist Absicht. Ich will keine Bilder erzeugen, die etwas darstellen. Ich will Zustände erzeugen, die etwas auslösen. Wenn jemand in meinen Werken Galaxien sieht, ist das seine
Projektion. Wenn jemand Zellen sieht, ist es ebenfalls seine Projektion. Das Werk selbst ist neutral.
Philosoph: Neutral — aber nicht bedeutungslos.
Lightmaster: Genau. Bedeutung entsteht im Betrachter. Ich gebe nur den Impuls.
Philosoph: Was bedeutet Ihnen persönlich das Licht?
Lightmaster: Es ist das einzige Medium, das gleichzeitig sichtbar und unsichtbar ist. Es ist das, was wir sehen — und das, wodurch wir sehen. Es ist Ursprung und Grenze zugleich. Und vielleicht
ist es deshalb das ehrlichste Medium, das ich kenne.
Philosoph: Letzte Frage: Ist Ihre Kunst eine Form der Erkenntnis?
Lightmaster: Ja. Aber nicht meiner Erkenntnis. Es ist eine Einladung zur Erkenntnis des Betrachters. Ich zeige nicht, was Licht ist. Ich zeige, dass es ist.
GESPRÄCH ZWISCHEN
WOLFGANG F. LIGHTMASTER UND EINEM THEOLOGEN
„Licht ist mehr als ein physikalisches Phänomen — es ist eine Frage.“
Theologe: Herr Lightmaster, wenn ich Ihre Werke betrachte, habe ich das Gefühl, dass sie etwas zeigen, das über das rein Sichtbare hinausgeht. Licht hat in vielen religiösen Traditionen eine
zentrale Bedeutung. Ist Ihnen das bewusst?
Lightmaster: Ja, aber ich arbeite nicht mit Licht, um etwas Religiöses auszudrücken. Ich arbeite mit Licht, weil es sich verhält. Wenn Menschen darin etwas Spirituelles sehen, ist das ihre
Interpretation. Ich selbst sehe einen Zustand, der entsteht, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Theologe: In der Theologie ist Licht oft ein Symbol für Wahrheit, Offenbarung, Gegenwart. Ihre Werke wirken manchmal wie Offenbarungen — flüchtige Momente, die sich nicht wiederholen
lassen.
Lightmaster: Das ist interessant. Für mich ist es keine Offenbarung, sondern ein Ereignis. Aber vielleicht ist das gar nicht so weit voneinander entfernt. Ein Ereignis, das nur einmal existiert,
hat etwas Unverfügbares. Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich unsere Perspektiven berühren.
Theologe: Sie sprechen vom Licht, als hätte es eine eigene Freiheit. Das erinnert mich an den Gedanken, dass Wahrheit nicht gemacht, sondern empfangen wird.
Lightmaster: Das trifft es ziemlich gut. Ich kann Licht nicht zwingen. Ich kann nur Bedingungen schaffen. Der Rest entzieht sich meiner Kontrolle. Vielleicht ist das eine Form von Empfangen —
aber ohne metaphysischen Anspruch.
Theologe: Ihre Apparaturen sind hochpräzise, aber das Ergebnis bleibt unvorhersehbar. Das klingt fast wie ein Gleichnis für das Leben: Wir können viel vorbereiten, aber nicht alles
bestimmen.
Lightmaster: Genau. Und das ist der Grund, warum ich mit Licht arbeite. Es zeigt mir, dass Kontrolle eine Illusion ist. Ich kann die Rahmen setzen, aber nicht das Ergebnis. Das Licht reagiert auf
seine eigene Weise.
Theologe: In der Theologie sprechen wir von „Schöpfung“ als etwas, das sich entfaltet, ohne dass wir es vollständig verstehen. Ihre Werke wirken manchmal wie kleine Schöpfungsakte — nicht im
religiösen Sinn, sondern im Sinne von Entstehen.
Lightmaster: Ich würde eher sagen: Ich beobachte Schöpfung. Ich erschaffe nicht. Ich ermögliche. Das Licht formt sich selbst. Ich halte nur den Moment fest, in dem es sichtbar wird.
Theologe: Das erinnert an den Gedanken, dass das Heilige nicht gemacht werden kann, sondern sich zeigt — oder nicht zeigt.
Lightmaster: Das ist ein schöner Gedanke. Und er passt zu meiner Arbeit. Es gibt Tage, an denen das Licht nichts hergibt. Da kann ich tun, was ich will — es entsteht kein Werk. Und dann gibt es
Momente, in denen plötzlich alles stimmt. Das kann ich nicht erzwingen.
Theologe: Glauben Sie, dass Licht eine spirituelle Dimension hat?
Lightmaster: Ich glaube, dass Licht eine Dimension hat, die wir nicht vollständig verstehen. Ob man das spirituell nennt oder physikalisch oder philosophisch, ist eine Frage der Sprache. Ich sehe
nur, dass Licht mehr ist als das, was wir messen können.
Theologe: Das ist bemerkenswert nah an einer theologischen Position. Wir sagen oft: Das Wesentliche ist unsichtbar, aber es zeigt sich in Momenten.
Lightmaster: Und ich würde sagen: Das Unsichtbare wird sichtbar, wenn die Bedingungen stimmen. Vielleicht reden wir über dasselbe — nur mit anderen Worten.
Theologe: Letzte Frage: Was wünschen Sie sich, wenn Menschen Ihre Werke betrachten?
Lightmaster: Dass sie einen Moment innehalten. Nicht, weil sie etwas „Großes“ sehen sollen, sondern weil sie etwas sehen, das sich nicht erklären lässt. Dieser Moment des Staunens — der ist mir
wichtig. Vielleicht ist das der Punkt, an dem Kunst und Theologie sich treffen.
GESPRÄCH ZWISCHEN
WOLFGANG F. LIGHTMASTER UND EINEM MYSTIKER
„Licht ist nicht das, was wir sehen — es ist das, was uns sieht.“
Mystiker: Herr Lightmaster, wenn ich Ihre Werke betrachte, habe ich das Gefühl, dass sie nicht nur Licht zeigen, sondern etwas, das hinter dem Licht liegt. Etwas, das uns anschaut. Spüren Sie das
auch?
Lightmaster: Ich würde es anders formulieren. Ich sehe, wie Licht sich verhält, wenn es auf bestimmte Bedingungen trifft. Aber ich gebe zu: Es gibt Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass das
Licht mehr weiß als ich.
Mystiker: Das ist interessant. In der Mystik sagen wir: Das Licht ist nicht ein Objekt, sondern ein Bewusstsein. Es ist das, was uns erkennt, bevor wir es erkennen.
Lightmaster: Ich würde nicht von Bewusstsein sprechen. Aber ich sehe, dass Licht reagiert. Es ist nicht passiv. Es ist nicht tot. Es ist ein Prozess. Vielleicht ist das, was Sie „Bewusstsein“
nennen, das, was ich „Verhalten“ nenne.
Mystiker: Verhalten ist ein schönes Wort. Es lässt Raum. In meinen Erfahrungen ist Licht ein Lehrer. Es zeigt mir Dinge, die ich nicht gesucht habe.
Lightmaster: Das kenne ich. Ich kann eine Apparatur hundertmal einstellen, und das Licht zeigt mir etwas, das ich nicht erwartet habe. Es zwingt mich, meine Vorstellungen loszulassen. Vielleicht
ist das eine Form von Lehre.
Mystiker: Sie arbeiten mit Apparaturen, mit Präzision, mit Technik. Ich arbeite mit Stille, mit innerer Wahrnehmung. Und doch scheinen wir beide dasselbe zu suchen: das, was sich zeigt, wenn man
aufhört, es zu erzwingen.
Lightmaster: Ja. Ich kann das Licht nicht zwingen. Ich kann nur Bedingungen schaffen. Der Rest entzieht sich meiner Kontrolle. Vielleicht ist das der Punkt, an dem Technik und Mystik sich
berühren.
Mystiker: In der Mystik sprechen wir von „Offenbarung“. Nicht im religiösen Sinn, sondern im Sinn eines plötzlichen Erkennens. Haben Sie solche Momente?
Lightmaster: Ja. Wenn ein Lichtfeld entsteht, das ich nicht erwartet habe. Wenn sich eine Struktur zeigt, die ich nicht geplant habe. Das sind Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass etwas
sichtbar wird, das schon immer da war — aber nur jetzt erscheint.
Mystiker: Genau das meine ich. Das Licht zeigt sich, wenn es will. Nicht wenn wir es wollen.
Lightmaster: Und das ist der Grund, warum ich mit Licht arbeite. Es zwingt mich zur Demut. Es erinnert mich daran, dass ich nicht derjenige bin, der entscheidet.
Mystiker: In meinen Meditationen erlebe ich manchmal Licht, das nicht von außen kommt. Ein inneres Licht. Kennen Sie das?
Lightmaster: Ich kenne Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass das Licht im Raum und das Licht in mir denselben Ursprung haben. Aber ich würde es nicht „inneres Licht“ nennen. Ich würde
sagen: Es gibt Zustände, in denen die Grenze zwischen innen und außen verschwindet.
Mystiker: Das ist ein sehr mystischer Satz für einen Techniker.
Lightmaster: Vielleicht bin ich weniger Techniker, als ich denke. Und vielleicht sind Sie weniger Mystiker, als Sie glauben. Vielleicht arbeiten wir beide an derselben Frage — nur mit
unterschiedlichen Werkzeugen.
Mystiker: Und wie lautet diese Frage?
Lightmaster: Was sichtbar wird, wenn wir aufhören, zu suchen.
Mystiker: Eine schöne Antwort. Und eine wahre.
Lightmaster: Vielleicht ist Wahrheit einfach ein Zustand, in dem Licht und Wahrnehmung sich begegnen.
INTERVIEW MIT WOLFGANG F. LIGHTMASTER
„Licht ist kein Werkzeug. Es ist ein Verhalten.“
Interviewer: Herr Lightmaster, Sie arbeiten seit Jahrzehnten mit Licht. Was war der Ausgangspunkt Ihrer künstlerischen Forschung?
Lightmaster: Der Moment, in dem ich begriffen habe, dass Licht nicht nur etwas beleuchtet, sondern selbst ein Material ist. Viele sehen Licht als Mittel zum Zweck. Für mich ist es ein
eigenständiger Akteur. Ich wollte wissen, wie Licht sich verhält, wenn man ihm Raum gibt, statt es zu zwingen.
Interviewer: Ihre Light-Optics-Werke entstehen mit Apparaturen, die Sie selbst entwickelt haben. Wie muss man sich das vorstellen?
Lightmaster: Es sind optische Systeme, die aus Linsen, Spiegeln, Prismen und mechanischen Elementen bestehen. Keine Elektronik, keine digitalen Eingriffe. Ich konstruiere Bedingungen, unter denen
Licht beginnt, Strukturen auszubilden. Ich manipuliere nicht das Bild — ich manipuliere die physikalischen Voraussetzungen, aus denen das Bild entsteht.
Interviewer: Das heißt, Sie „machen“ das Bild nicht?
Lightmaster: Nein. Ich erzeuge einen Zustand. Das Bild ist das Ergebnis dieses Zustands. Wenn ich die Apparatur nur um einen halben Millimeter verändere, entsteht ein völlig anderes Lichtfeld.
Deshalb ist jedes Werk ein Unikat. Es ist ein Moment, der nur einmal existiert.
Interviewer: Viele Ihrer Werke wirken kosmisch, fast astronomisch. Andere erinnern an mikroskopische Strukturen. Ist das beabsichtigt?
Lightmaster: Nein. Das ist eine Projektion des Betrachters. Ich bilde nichts ab. Ich erzeuge Lichtverteilungen. Wenn Menschen darin Galaxien oder Zellstrukturen sehen, zeigt das, wie sehr unser
Gehirn Muster sucht. Das Bild ist physikalisch — die Bedeutung entsteht im Kopf des Betrachters.
Interviewer: Ihre Edition 1 trägt den Titel „Reflections from other dimensions“. Was meinen Sie damit?
Lightmaster: Es ist eine präzise Beschreibung. Die Lichtfelder, die ich erzeuge, entsprechen keiner alltäglichen Erfahrung. Sie sind weder makroskopisch noch mikroskopisch. Sie sind Zustände, die
nur unter bestimmten optischen Bedingungen sichtbar werden. In diesem Sinn sind es Reflexionen aus einem Raum, der normalerweise nicht zugänglich ist.
Interviewer: Wie wichtig ist Ihnen die technische Seite Ihrer Arbeit?
Lightmaster: Sehr wichtig. Ohne technische Präzision gäbe es diese Bilder nicht. Aber Technik ist nicht das Ziel. Sie ist das Werkzeug, um Licht zu ermöglichen, sich selbst zu zeigen. Ich sehe
mich nicht als Ingenieur und nicht als Fotograf. Ich bin jemand, der optische Bedingungen herstellt.
Interviewer: Ihre Stadtilluminationen in Augsburg sind ein ganz anderer Bereich Ihres Schaffens. Wie passt das zusammen?
Lightmaster: Es ist dieselbe Haltung. Auch dort geht es darum, Licht nicht dekorativ einzusetzen, sondern als gestaltende Kraft. Die Stadtillumination ist angewandte Lichtkunst im öffentlichen
Raum. Light Optics ist die konzentrierte, experimentelle Form derselben Idee.
Interviewer: Was ist für Sie das Faszinierende an Licht?
Lightmaster: Dass es gleichzeitig sichtbar und unsichtbar ist. Man sieht nie das Licht selbst — man sieht nur seine Wirkung. Licht ist ein Verhalten. Und dieses Verhalten sichtbar zu machen, ist
meine Arbeit.
Interviewer: Gibt es ein Ziel, das Sie mit Ihrer Kunst verfolgen?
Lightmaster: Ich möchte Zustände sichtbar machen, die existieren, aber normalerweise nicht wahrgenommen werden. Mehr nicht. Und auch nicht weniger.